Fachbereich Geschichte

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Denkmäler im Hürtgenwald

Ehrenfriedhof Hürtgen

Im Zentrum des Friedhofs steht ein Hochkreuz ohne Aufschrift. Um das Kreuz herum sind zahlreiche Kameradenkreuze aufgestellt, die in Reihen auf das Hochkreuz ausgerichtet sind. Auf jedem Kreuz stehen die Namen von zwei bis vier gefallenen deutschen Soldaten. Auf vielen Kreuzen steht aber auch „Unbekannter Soldat“, weil viele Leichen bis heute nicht identifiziert werden konnten. Insgesamt liegen fast 3.000 Soldaten auf dem Friedhof. Nahe am Eingang gibt es eine Gedenktafel für den deutschen Leutnant Friedrich Lengfeld, der starb, als er das Leben eines amerikanischen Soldaten retten wollte.

Die Tafel wurde 1994 von der 275. Infanteriedivision der US-Army errichtet.

Historischer Kontext:
Die Armee der Vereinigten Staaten hatte bereits am 12. September Aachen eingenommen und wollte Köln erobern. Da die Generäle Angst davor hatten, die Deutschen könnten ihnen bei einem direkten Vorstoß nach Köln von der Eifel aus in die Flanke fallen, wollten sie zunächst die Eifel erobern. Am 06.10.1944 begann der Angriff auf den Hürtgenwald. Dabei hatten die Amerikaner das Problem, dass sie aufgrund des Geländes und des schlechten Wetters, weder Panzer noch Luftunterstützung einsetzen konnten. Durch deutsche Artillerie, Minen und Scharfschützen aber auch durch Krankheiten und Erfrierungen verloren sie bis zum 16.09. 4.200 Mann, eroberten aber lediglich 2,7 Kilometer Gelände. Auf deutscher Seite starben 3.200 Soldaten. Die Schlacht endete, weil beide Seiten kampfunfähig waren. Dieses war die erste Schlacht im Hürtgenwald.

Traditionspflege:
Es wird immer noch versucht, durch historische Dokumente etc. einige der unbekannten toten Soldaten zu identifizieren. Die toten Soldaten werden in keiner Weise heroisiert, stattdessen werden sie als einfache Soldaten und Opfer des 2. Weltkriegs dargestellt. Abgesehen vom Namen des Friedhofs gibt keinen Bezug zu Werten wie „Ehre“ oder „Treue“, die im zweiten Weltkrieg von Wehrmacht und SS hochgehalten wurden, stattdessen gleicht der „Ehrenfriedhof“ größtenteils einem normalen Friedhof. Durch die Gedenktafel für Leutnant Lengfeld wird ein Akt der Menschlichkeit und der Versöhnung zwischen den damals verfeindeten Mächten besonders hervorgehoben.

 

A Time for Healing


Die Skulptur steht auf einer Steinbrücke, die in einem Tal über den Bach Kall führt. Sie besteht aus einer rauen Kreisform mit einem glatten, geschwungenen, symmetrischen Balken in der Mitte. Auf dem Podest steht der Satz „A time for healing“. Neben der Skulptur gibt es eine Infotafel, die den historischen Kontext erläutert.
Historischer Kontext:
Der historische Kontext ist die „Allerseelenschlacht“ vom 02.11.1944 bis zum 09.11.1944.

 

 

Die Amerikaner standen mit einer Division in Vossenack und wollten über Kommerscheidt nach Schmidt, um dieses einzunehmen.  Allerdings hatte sie nur schlechte Aufklärung geleistet  und wurden vom Gelände – im Speziellen einem tiefen Tal zwischen Vossenack und Schmidt – überrascht. Als bereits ein Teil der amerikanischen Truppen das Tal durchquert hatte, besetzten die deutschen Soldaten den anderen Hang des Tals, so dass es zu harten Kämpfen am Fluss Kall kam. Am 07.09. – also zwei Tage vor dem Ende der Schlacht – handelte ein deutscher Arzt eigenmächtig einen bis zum 12.09. gültigen Waffenstillstand mit den Amerikanern aus. Während dieser Zeit wurden in einem provisorischen Lazarett im Flusstal Verletzte versorgt.


Traditionspflege:
Das Denkmal hebt einen humanitären Akt inmitten eines grausamen Krieges hervor und zeigt so, dass es auch menschliche und teilweise versöhnliche Handlungen gab. Dabei wird keine Heldenverehrung betrieben und Pathos wird vermieden. Dazu schreibt der Bildhauer Michael Pohlmann, der das Denkmal entwarf: „Ich wollte kein Heldendenkmal schaffen, keine theatralische Darstellung, kein Pathos, sondern bescheidener auftreten mit einer schlichten Form in Stein gehauen, den Ort des Geschehens würdigen. Ein Ort an dem alles vielleicht einmal rational begonnen hat, dann aber mehr und mehr irrational wurde und völlig aus den Fugen geriet, bis hier... die Vernunft? oder war es doch die Emotion? eine Begegnung der Humanität möglich werden ließ.“
(Zitiert aus http://www.konejung-stiftung.de/ATimeForHealingContent.htm)
Das Denkmal richtet sich nicht erkennbar an eine der beiden damals kämpfenden Nationen, sondern soll verbindend wirken. Dazu trägt auch die englische Bezeichnung eines von einem deutschen Bildhauer hergestellten Denkmals bei.
 
 

Gedenkstätte der 116. Panzerdivision

Es handelt sich um eine Gedenkstätte, die ursprünglich von einem Verein betrieben wurde, der für die Angehörigen der Mitglieder der 116. Panzerdivision – genannt Windhunddivision – gegründet worden war.

Es gibt Infotafeln mit vielen Bildern und Texten sowie die Skulptur eines Soldaten, der einen Verletzten mitzieht. Vor dem Eingang ist eine Tafel angebracht, die betont, dass die Gedenkstätte in Ehrfurcht vor den Gefallenen errichtet wurde und zum Frieden mahnen solle. Auf einer Infotafel werden Bilder von Soldaten der „Windhunddivision“ auf dem Russlandfeldzug gezeigt, diese wirken allerdings eher wie Urlaubsbilder. Auf den Tafeln wird hervorgehoben, dass die Division den Krieg auch zu einem Zeitpunkt, als dieser schon aussichtslos war, noch weiterführte und zu ihrem geleisteten Eid stand. Dass dieser Eid in der damaligen Zeit selbstverständlich Adolf Hitler galt, wird allerdings nicht erwähnt.
Auch die Kameradschaft unter den Soldaten wird mehrmals hervorgehoben, außerdem  zeigen Infotafeln, dass der Kommandeur der „Windhunddivision“, Gerhard Graf von Schwerin, im Widerstand gegen Hitler in der Verschwörung zum Attentat des 20. Juli aktiv war. Zudem wird behauptet, der Kommandeur habe die Stadt Aachen vor der Zerstörung gerettet, indem er eine Evakuierung vor dem amerikanischen Einmarsch abbrach. Dabei habe er „Kopf und Kragen“ riskiert.

Historischer Kontext:    

Die 116. Panzerdivision wurde im Russlandfeldzug eingesetzt, wo sie als die beste deutsche Division galt. Später war sie in Frankreich stationiert und dann an den Abwehrschlachten im Hürtgenwald beteiligt und vollbrachte dort – rein militärisch gesehen – erstaunliche Leistungen. In die Pläne zum Attentat des 20. Juli war von Schwerin als Gegner der Kriegspolitik Adolf Hitlers wohl eingeweiht, wenn auch nicht direkt an der Planung beteiligt. In Aachen unterbrach er die ohnehin ins Stocken gekommene Evakuierung und verfasste einen Brief an den General der 9. US-Armee, in dem er diesem das Angebot unterbreitete, die Stadt kampflos zu übergeben und sich mit seiner Division zurück zu ziehen. Der Brief kam allerdings nie an und schließlich kämpfte von Schwerin doch um die Stadt, in der sich noch Zivilisten befanden. Die RWTH Aachen, die dieses Ereignis untersuchte, konnte in einem neunzigseitigen Gutachten keine „Heldentat“ von Schwerins feststellen.
( http://home.arcor.de/axel.strube/gutachten%20der%20rwth%20zu%20schwerin%20in%20aachen.pdf )  

Daraufhin wurde eine Straße, die vorher seinen Namen getragen hatte, wieder umbenannt.

Traditionspflege:    

Es bleibt zu resümieren, dass die „Windhunddivision“ in ihrer Gedenkstätte vor allem Werte wie Kameradschaft und Treue betont. Der Ostfeldzug wird wie ein Ausflug dargestellt und – auch wenn von Respekt vor allen Opfern gesprochen wird – werden nur die deutschen Opferzahlen genannt. Andererseits wird die Skulptur nicht als Heldendenkmal, sondern als Mahnmal bezeichnet. Auch der Widerstand gegen Hitler und die „Rettung Aachens“ werden herausgestellt. Fehler der „Windhunddivision“ werden nicht eingestanden. Eher wird der Eindruck erweckt, die jungen Leute seien für eine Sache missbraucht worden, die sie nicht verstanden.

 

Traditionspflege insgesamt

Die Denkmäler wollen vor allem mahnen und verzichten größtenteils auf Heldenverehrung. Dazu passt auch folgendes Zitat:
„Wichtig ist aber, dass man sich der Opfer und der Ursachen, die zu dem Unglück geführt haben, erinnert. Deshalb hat man in Hürtgenwald sichtbare Zeichen gesetzt, die mahnen und erinnern: ,Es darf nicht noch einmal geschehen!‘“
(Gemeinde Hürtgenwald, http://www.huertgenwald.de/index.php?go=geschichte&356&0).

Auffällig ist, dass humanitäre Handlungen einzelner Personen hervorgehoben werden. So wird gezeigt, dass es auch einige „gute“ Menschen gegeben habe. Die Panzerdivision stellt sich sehr widersprüchlich dar. Einerseits will sie ein Mahnmal zeigen und betont den Widerstand gegen Hitler, andererseits wird der Russlandfeldzug verharmlost und die Treue der Einheit zu ihren Eid – also letztendlich zum damaligen deutschen Führer und Reichskanzler Adolf Hitler – gelobt. Es soll also gemahnt werden, ohne dass dabei eigene Fehler eingestanden werden.

Insgesamt wird vieler Opfer gedacht, nach den Tätern wird – jedenfalls was die von uns besuchten Denkmäler angeht – kaum gefragt. Das liegt sicherlich an der Schuld der Deutschen am Zweiten Weltkrieg und am Aufstieg der Nazis im Generellen, weshalb man sich sicherlich lieber mit den Opfern als mit den Tätern beschäftigt.

Im Gegensatz zu anderen Ländern ist es in Deutschland kaum möglich, eigene Soldaten für etwaige militärische Verdienste im Zweiten Weltkrieg zu ehren, weil sie letztlich alle – gewollt oder ungewollt – für den Erfolg der Nationalsozialisten gearbeitet haben. Die Windhunddivision hat dies mit einem eigenen Mahnmal versucht, allerdings sorgt die Betonung der Treue der Division zu ihren Eiden und die relativ unkritische Selbstbetrachtung für einen unangenehmen Eindruck.

Johannes v. Balshüsemann, Florian Baader, Patrick Wendt (GK Geschichte 13 Rm)